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Lesen Sie hier neueste wissenschaftliche Erkenntnisse

Ein Lipödem ist eine große Herausforderung und es sollte viel mehr dazu geforscht und berichtet werden. Auf dieser Seite werde ich regelmäßig neueste wichtige Forschungsergebnisse präsentieren.

Wer grundlegende Infos zu Lipödem, Diagnose und Therapie benötigt, klickt bitte auf folgenden Link:

Lipödem, Essverhalten und psychisches Wohlbefinden

Neue Studie Februar 2026

Das Lipödem wird häufig als rein körperliche Erkrankung betrachtet. Tatsächlich zeigen aktuelle Untersuchungen jedoch, dass auch das Essverhalten und die psychische Gesundheit eine wichtige Rolle spielen können. Eine Studie liefert hierzu erste aufschlussreiche Einblicke.

Im Rahmen einer Online-Befragung wurden 47 Frauen mit diagnostiziertem Lipödem untersucht. Ziel war es, mögliche Zusammenhänge zwischen der Erkrankung, dem Essverhalten und dem psychischen Wohlbefinden besser zu verstehen. Dafür kamen zwei standardisierte Fragebögen zum Einsatz, die sowohl Hinweise auf problematisches Essverhalten als auch auf die allgemeine psychische Verfassung erfassen.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die Auswertung zeigt ein klares Bild:

Auffälliges Essverhalten ist weit verbreitet
Ein großer Teil der befragten Frauen zeigte Hinweise auf problematische Essmuster:
• etwa zwei Drittel der Teilnehmerinnen waren auffällig
• bei strengeren Bewertungskriterien sogar über 70 %

Psychisches Wohlbefinden ist häufig reduziert
Auch die psychische Belastung spielte eine relevante Rolle:
• rund 20 % der Frauen berichteten über ein deutlich vermindertes Wohlbefinden

Diese Zahlen machen deutlich, dass das Lipödem häufig nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern mehrere Ebenen betrifft.


Was bedeuten diese Ergebnisse?

Die Studie legt nahe, dass viele Frauen mit Lipödem nicht nur körperlich, sondern auch emotional und psychisch belastet sind. Dabei handelt es sich nicht um ein Randphänomen, sondern um ein Muster, das bei einem relevanten Anteil der Betroffenen vorkommen kann.

Besonders wichtig ist der Hinweis, dass auffälliges Essverhalten in diesem Zusammenhang nicht vorschnell bewertet werden sollte. Es entsteht häufig nicht „grundlos“, sondern entwickelt sich im Kontext der Erkrankung.


Mögliche Zusammenhänge zwischen Lipödem, Essverhalten und Psyche

Die Gründe für diese Zusammenhänge sind vielschichtig und greifen oft ineinander:

Fehlinterpretation der Erkrankung
Lipödem wird noch immer häufig mit klassischem Übergewicht gleichgesetzt. Betroffene hören nicht selten:
• „Sie müssen einfach weniger essen“
• „Sie sollten sich mehr bewegen“

Da das krankhafte Fettgewebe jedoch nur begrenzt auf Diäten reagiert, bleiben Erfolge oft aus. Das kann zu:
• Frustration
• Schuldgefühlen
• einem negativen Selbstbild führen


Der Versuch, Kontrolle zu gewinnen
Wenn der eigene Körper nicht wie erwartet reagiert, entsteht häufig das Bedürfnis, an anderer Stelle Kontrolle auszuüben.

Das Essverhalten kann dabei in den Fokus rücken:
• strenge Diäten
• stark kontrolliertes Essen
• wiederkehrende Essanfälle
• Wechsel zwischen Kontrolle und Kontrollverlust


Veränderungen des Körperbildes
Das Lipödem führt oft zu sichtbaren Veränderungen, insbesondere an Beinen und Armen.

Dies kann Auswirkungen haben auf:
• das Selbstwertgefühl
• das eigene Körperbild
• das soziale Verhalten (z. B. Rückzug)


Schmerzen und körperliche Einschränkungen
Viele Betroffene berichten über:
• Druck- und Spannungsgefühle
• Schmerzen bei Berührung
• eingeschränkte Beweglichkeit

Diese Faktoren können dazu führen, dass:
• körperliche Aktivität reduziert wird
• Frustration zunimmt
• Essen als Bewältigungsstrategie genutzt wird


Langjährige Belastung durch fehlende Diagnose
Nicht selten vergeht viel Zeit bis zur richtigen Diagnose. In dieser Phase erleben viele Betroffene:
• Unsicherheit
• das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden
• wiederholte, erfolglose Behandlungsversuche

Auch das kann die psychische Belastung verstärken.


Ein wichtiger Perspektivwechsel

Ein zentraler Punkt ist besonders hervorzuheben:

Auffälliges Essverhalten bei Lipödem ist kein Ausdruck von mangelnder Disziplin.

Vielmehr handelt es sich häufig um eine nachvollziehbare Reaktion auf:
• körperliche Beschwerden
• gesellschaftlichen Druck
• wiederholte Frustrationserfahrungen


Einordnung der Studienergebnisse

Die Ergebnisse sollten trotz ihrer Relevanz vorsichtig interpretiert werden:
• Die Teilnehmerzahl war mit 47 Frauen vergleichsweise klein
• Es handelt sich um erste Hinweise, nicht um abschließende Belege

Dennoch liefern die Daten wichtige Impulse für ein besseres Verständnis der Erkrankung.


Fazit

Die Studie zeigt, dass das Lipödem häufig über die körperlichen Symptome hinausgeht. Auffälliges Essverhalten und eine reduzierte psychische Belastbarkeit können bei vielen Betroffenen eine Rolle spielen.

Das unterstreicht die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes, der nicht nur die körperlichen Aspekte berücksichtigt, sondern auch das Essverhalten und die psychische Situation mit einbezieht.

Kunzová M. Disordered eating risk and well-being in women with lipedema. Front Glob Womens Health. 2026 Feb 13;7:1720708. doi: 10.3389/fgwh.2026.1720708. PMID: 41767758; PMCID: PMC12945998.

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12945998/

Häufigkeit Diagnose Lipödem

Neue deutsche Untersuchung vom März 2026

Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, deren tatsächliche Häufigkeit bislang nicht genau bestimmt werden konnte. Frühere Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1 % bis 10 % der Frauen betroffen sind – eine große Spannbreite, die vor allem auf das Fehlen verlässlicher, groß angelegter Studien zurückzuführen ist.

Aktuelle Diagnose-Häufigkeit in Deutschland

Eine aktuelle Untersuchung liefert nun erstmals belastbarere Daten. Grundlage war die Analyse von Krankenkassendaten aus Deutschland mit einer sehr großen Datenbasis von rund 8,7 Millionen Versicherten. Im Fokus standen Frauen mit diagnostiziertem Lipödem in den Stadien I bis III. Die Ergebnisse wurden sowohl mit der allgemeinen Bevölkerung als auch mit Frauen mit starkem Übergewicht (Adipositas Grad III) verglichen.

Die Auswertung zeigt einen deutlichen Anstieg der Diagnosen im Zeitraum von 2017 bis 2021: Die Fallzahlen stiegen um 123,5 % – von 3,89 auf 8,69 Fälle pro 1.000 Versicherte. Am häufigsten wurde das Lipödem im Stadium II diagnostiziert; im Jahr 2021 betraf dies etwa 0,34 % der Frauen. Hochgerechnet auf ganz Deutschland ergibt sich eine Zahl von rund 338.000 betroffenen Frauen, was etwa 0,95 % der Bevölkerung entspricht.

Trotz dieser Zahlen ist davon auszugehen, dass das Lipödem weiterhin unterschätzt wird. Viele Betroffene erhalten keine ausreichende konservative Behandlung. Zudem treten häufig Begleiterkrankungen auf, die die Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigen können.

Insgesamt liefert die Studie eine der ersten fundierten Einschätzungen zur Verbreitung des Lipödems in Deutschland. Sie zeigt deutlich: Das Lipödem ist keine seltene Erkrankung – wird jedoch noch immer zu selten erkannt und nicht immer angemessen behandelt.

Lipödem und Dynapenie: Wie Entzündungen Muskeln schwächen können

Studie vom März 2026

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einer wichtigen Frage:
Warum haben viele Frauen mit Lipödem nicht nur Veränderungen im Fettgewebe, sondern auch Probleme mit der Muskelkraft?

Ein möglicher Zusammenhang wird über einen Prozess erklärt, der als entzündliche Myosteatose bezeichnet wird.

Was bedeutet das einfach erklärt?

Dynapenie beschreibt den Verlust von Muskelkraft – unabhängig davon, wie viel Muskelmasse tatsächlich vorhanden ist. Man ist also nicht unbedingt „weniger muskulös“, aber spürbar schwächer.

Myosteatose bedeutet, dass sich Fett in der Muskulatur einlagert.
Wenn dieser Prozess zusätzlich mit Entzündungen verbunden ist, spricht man von entzündlicher Myosteatose.

Was passiert im Körper bei Lipödem?

Beim Lipödem kommt es zu einer krankhaften Vermehrung und Veränderung des Fettgewebes. Dieses Gewebe ist nicht „passiv“, sondern kann entzündliche Prozesse im Körper fördern.

Diese Entzündungen können:
• die Qualität der Muskulatur verschlechtern
• die Einlagerung von Fett in die Muskeln begünstigen
• die Muskelkraft negativ beeinflussen


Die zentrale Idee der Studie

Die Autor:innen gehen davon aus, dass ein Zusammenhang besteht zwischen:
• der Ausdehnung des Fettgewebes beim Lipödem
• entzündlichen Prozessen im Körper
• und einer daraus resultierenden Muskelschwäche (Dynapenie)

Anders gesagt:
Nicht nur das Fettgewebe ist betroffen – auch die Muskulatur kann in ihrer Funktion eingeschränkt werden.


Was bedeutet das für Betroffene?

Die Ergebnisse helfen zu erklären, warum viele Frauen mit Lipödem berichten über:
• schnelle Ermüdung
• Kraftlosigkeit in den Beinen oder Armen
• eingeschränkte Belastbarkeit

Diese Symptome sind also nicht „eingebildet“, sondern könnten eine körperliche Ursache haben.


Fazit

Das Lipödem betrifft möglicherweise mehr als nur das Fettgewebe.
Entzündliche Prozesse und Fettablagerungen in der Muskulatur könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, warum Muskelkraft abnimmt.

Das unterstreicht, wie wichtig ein ganzheitlicher Blick auf die Erkrankung ist – der neben dem Fettgewebe auch die Muskulatur berücksichtigt.


Zusammengefasst

Die Autoren stellen eine nachvollziehbare neue Hypothese auf, um zu erklären, warum Frauen mit fortgeschrittenem Lipödem (insbesondere beim Übergang zu Stadium 3) oft an Kraft verlieren, obwohl ihre Beine an Umfang zunehmen.

  • Das Kernproblem: Die körperliche Einschränkung liegt nicht nur am Fett an sich, sondern an einer Fehlfunktion der darunterliegenden Muskeln.
  • Der Mechanismus: Chronische Entzündungen im Lipödemfett sorgen dafür, dass Fett auch in den Muskel eingelagert wird (Myosteatose). Dies schädigt die Kraftwerke der Zellen (Mitochondrien) und führt zu oxidativem Stress.
  • Das Ergebnis: Der Muskel verliert an Kraft (Dynapenie), obwohl er von außen betrachtet massiv wirkt.
  • Neuer Ansatz: Das Lipödem sollte nicht mehr nur als reine Fettverteilungsstörung gesehen werden, sondern als eine komplexe Wechselwirkung, bei der das kranke Fettgewebe den angrenzenden Muskel aktiv schwächt.

Viana DPDC, Invitti AL, Schor E. Lipedema and Dynapenia: Inflammatory Myosteatosis as a Mechanistic Link Between Tissue Expansion and Muscle Dysfunction. Int J Mol Sci. 2026 Mar 1;27(5):2319. doi: 10.3390/ijms27052319. PMID: 41828544; PMCID: PMC12985791. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12985791/